Alpencross Cinque Croci | Cinque Croci

Alpencross Tag 4 Cinque Croci

Predazzo - Ziano - Malga Sadole - Passo Sadole - Rif. Forestale Socede di Sotto - Malga Val Cion - Passo Cinque Croci - Rif. Carlettini - Rif. Crucolo - Borgo Valsugana - Levico

72 km / 2130 hm

Heute steht mit dem Passo Sadole und dem Passo Cinque Croci die Königsetappe des 2017er Alpencross an. Die letzten drei Tage habe ich gemerkt, dass ich eigentlich saufit bin, also warum nicht mal ein wenig mehr radeln?

Predazzo, das beliebte Ferienziel im Val di Fiemme verlasse ich auf einem schönen Radlweg. Gut drei Kilometer später, ab Ziano ist es gleich vorbei mit der Gemütlichkeit, es geht links rauf in den Wald. Die Forststraße führt gleich von Anfang an extrem steil nach oben. Habe ich nicht gerade gesagt, dass ich saufit bin? Eine ewig lange, serpentinige 20 % Rampe zeigt mir das Gegenteil auf. Mir zieht es die Schuhe aus. Ich schiebe im Schatten und komme doch nicht gescheit voran. Wenn das so weiter geht sehe ich schwarz für mein 2000 Höhenmeter Vorhaben.

Nach dieser Drecksrampe kann ich wieder im Sattel biken. Zweifel, ob die zwei Pässe zu schaffen sind habe ich aber immer noch. Erst ab der Malga Sadole, auf 1600 m Höhe finde ich meine innere Ruhe wieder. Ich bin aus dem finsteren Wald raus, bike in der Sonne und sehe freilaufende Pferde neben mir.
Am Talschluß hinter der Malga Sadole angekommen schiebe ich mein Radl nach oben. Ich bin hier nicht mehr alleine unterwegs. Ein mehr als 70 Jahre alter Italiener, mit neongelben Froteestirnband, Wanderstock und Rucksack ausgerüstet wandert vor mir in ruhigem Tempo zum Passo Sadole. Oben am Pass kommen wir ins Gespräch. Er in italienisch, ich in bayerisch/english. Wir zollen uns gegenseitig Respekt vor der Leistung, da rauf gekommen zu sein. Wobei er schon viel mehr Respekt verdient.
Mit "Austriaca", "Italiana" und vielsagenden Fingerzeigen in der Landschaft, erklärt mir mein italienischer Freund, dass die Gegend um den Passo Sadole und den Monte Cauriol bitter umkämpfter Schauplatz während des Alpenkrieges war. Schade dass ich nicht italienisch kann und schade dass dieser interessante Gespächspartner sich bald Richtung Monte Cauriol verabschiedet. Am Passo Sadole sehe ich noch einige verfallene Bauten aus dem Gebirgskrieg, der hier von 1915 bis 1918 an der Grenze zwischen Österreich-Ungarn und Italien ausgetragen wurde.

Ich bin jetzt alleine hier oben, lasse mir Zeit. Auf einer verfallenen Felsmauer sitzend genieße ich eine schreiende Stille.

Und dann gehts wieder down the hill. Ein schmaler steiniger Weg führt am Hang entlang nach unten, fahrbar. An den Kehren schiebe ich meistens. Gleich drauf wird wieder gefahren. Der Trail führt jetzt durch kniehohes Gras unter dem sich ein paar listige Steinbrocken verstecken. Von den Steinen schafft es aber keiner mich zu überraschen und mich auf einen Freiflug einzuladen.
Ich folge kurz dem Weg Nr. 320 welcher zur Malga Laghetti führen würde. Wie gesagt, kurz. In spitzem Winkel verlasse ich den 320er gleich wieder und stehe 1 Minute später im Nirgendwo. Wo ist mein Weg? Eine halbe Stunde irre ich im Kreis laufend umher. Für alle Nachfahrer, wenn ihr an den idylischen Teichen mit glasklarem Wasser seid, seid ihr fast richtig dran. Der ganz richtige Weg geht ca. 20 m vorher in weitem Bogen nach links rum, über eine locker bewaldete Fläche gelangt man auf die neue Fahrstraße.
Alternativ hätte ich länger auf dem 320er bleiben können, runter fahren bis zum Rif. Refavaie und dann denn 380er wieder hochkurbeln.
Ich habe mir die 150 Tiefenmeter und 150 Höhenmeter gespart.

Auf der wiedergefundenen Fahrstraße rolle ich bergab zum tiefsten Punkt zwischen dem Passo Sadole und dem Passo Cinque Croci. Mit frisch gefüllter Trinkflasche trete ich in gleichmäßiger 7% Steigung zum Cinque Croci hoch. Das macht schon mehr Spaß als die elendig steile Auffahrt heute morgen. So im Bergauftreten, ganz alleine, höre ich nichts als das Knirschen meiner Reifen im Schotter. Doch plötzlich lässt mich eine laute Sirene in der Nähe fast vom Radl fliegen. Was ist den jetzt los?
Total erschrocken sehe ich mich um. Mit erhöhtem Puls dauert es einige Zeit bis ich registriere dass irgendwo Waldarbeiter mit einer Motorsäge unterwegs sind. Ohmei...
Später höre ich Stimmen und Geräusche. Alles ist gut, eine geführte Alpencross Gruppe aus Bad Tölz fährt auf mich auf. Die Jungs und Mädels kommen heute aus San Martino di Castrozza, haben also noch kein so anspruchsvolles Programm absolviert. Damit stärkt der Guide der Gruppe mein Selbstbewusstsein.

Unterhalb der Malga Val Cion komme ich aus dem Wald. Es geht nur mäßig ansteigend zur Malga und gleich drauf fast flach zum Passo Cinque Croci. Am Cinque Croci geht für mich ein Traum in Erfüllung. 2014 musste ich wegen Regen in San Martino di Castrozza in den Bus nach Trento einsteigen und meinen AlpenX über die Krimmler Tauern um einen Tag verkürzen. Der Passo Cinque Croci blieb mir damals verwehrt. Heute hab ich ihn geknackt.
Ich lasse die geführte Gruppe vor mir in den Downhill ins Val Sugana. Erst möchte ich den Cinque Croci noch ein paar Minuten für mich alleine haben.

Das Val Sugana erreiche ich nach einer schnellen Sause, erst auf Forststraße, später auf heißem Teer. Wobei mich heißer Teer durch das ganze Sugana Tal begleitet. Auf dem Radweg von Borgo bis nach Levico bike ich in einem Backofen, meine Akkus werden tiefenentladen.

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